Weihnachten in der Hölle: Mein Trip nach Noboribetsu

Vom 22. bis zum 24. Dezember 2026 habe ich mich in die “Hölle” gewagt – genauer gesagt nach Noboribetsu Jigokudani auf Hokkaido. Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich auf weiße Weihnachten gehofft hatte. Hokkaido ist ja weltberühmt für seinen Powder-Schnee. Tja, Pustekuchen. Statt fluffigem Neuschnee gab es eine harte Realität: Alles war extrem vereist. Der Schnee, der da war, war durch Antauen und Wiederfrieren zu einer einzigen Rutschbahn mutiert. Ohne Spikes unter den Schuhen war jeder Schritt ein kleines Wagnis, aber dazu später mehr.

Trotzdem war es ein genialer Trip, vor allem wegen der Onsen-Kultur, die ich dort extrem ausgekostet habe.

Der “Onsen-Hack”: Adex Inn

Ich habe im Adex Inn übernachtet. Das war ehrlich gesagt ein ziemlicher Glücksgriff. Das Hotel selbst ist eher modern und zweckmäßig, aber der absolute Hammer ist der Deal, den man als Gast dort bekommt: Man darf das riesige “Grand Bath” vom Dai-ichi Takimotokan gegenüber kostenlos mitnutzen.

Das Takimotokan ist ja so ziemlich das Flaggschiff dort und liegt direkt am Höllental. Wenn man im Adex Inn wohnt, läuft man einfach kurz rüber (Jacke nicht vergessen bei der Kälte!) und kann sich in den gleichen Luxus-Becken aalen wie die Gäste, die das Dreifache zahlen. Ich war gefühlt mehrfach täglich drüben. Der Ausblick aus dem großen Bad direkt auf die dampfenden Schlote ist einfach unschlagbar.

Was mich aber am meisten beeindruckt hat, war die schiere Masse an Becken. Es gibt dort glaube ich 5 verschiedene Quellarten. Das Wasser riecht und fühlt sich überall anders an – mal nach Schwefel (der Klassiker, riecht wie faule Eier aber hilft der Haut), mal nach Eisen oder Salz. Auch die Temperaturen sind total unterschiedlich. Es gibt Becken, da hält man es ewig aus, und andere, da wird man fast gekocht. Diese Abwechslung ist echt der Wahnsinn, man kann quasi eine “Bade-Rundreise” machen ohne das Gebäude zu verlassen.

Kleiner Onsen-Guide: Eimer und Etikette

Falls ihr noch nie in einem Onsen wart oder es vergessen habt: Ein Onsen ist nicht einfach nur ein Schwimmbad. Es ist fast schon eine Religion hier. Damit ihr euch im Takimotokan nicht blamiert, hier nochmal die wichtigsten Regeln:

  1. Nackt ist Pflicht: Badekleidung ist in den eigentlichen Onsen-Bereichen streng verboten. Man lässt wirklich alles im Spind. Keine Sorge, da guckt niemand komisch. Es ist einfach natürlich.
  2. Das traditionelle Wasch-Ritual: Das fand ich besonders faszinierend. Neben den normalen Duschen gibt es einen Bereich, wo man sich ganz traditionell wäscht. Man sitzt nackt auf kleinen Hockern um ein extra kleines Becken herum und schöpft das Wasser mit kleinen Eimern, um sich abzugießen. Es wirkt sehr ursprünglich, auch wenn die Eimer hier interessanterweise aus Plastik waren und nicht aus Holz. Trotzdem hat es was total Meditatives. Erst wenn man blitzsauber ist, darf man in die großen Becken.
  3. Das kleine Handtuch: Ihr bekommt ein kleines Handtuch. Das könnt ihr nutzen, um euch beim Laufen etwas zu bedecken, aber es darf niemals ins Badewasser kommen! Die Japaner legen es sich meistens gefaltet auf den Kopf. Sieht vielleicht lustig aus, ist aber super praktisch.

Ich habe es so genossen, einfach im heißen Wasser zu liegen, während draußen alles gefroren war. Im Außenbereich darf man im Takimotokan sogar Alkohol trinken (gibt da so einen kleinen Schalter). Für mich war es eine Limonade mit Salz.

Rutschpartie zum River Oyunuma

Eines meiner Highlights war definitiv das River Oyunuma Natural Footbath. Das ist ein natürliches Fußbad mitten im Wald, wo der heiße Fluss durchfließt.

Der Weg dorthin war allerdings… abenteuerlich. Da es wie gesagt nicht geschneit hatte, sondern alles zu Eis gefroren war, war der Pfad extrem glatt. Ich habe mehr als einmal fast den Abflug gemacht. Wer im Winter herkommt und kein Neuschnee hat: Passt bloß auf! Aber die Mühe hat sich gelohnt. Man sitzt da im Wald auf Holzplanken, zieht Schuhe und Socken aus und hängt die Füße in den grauen, warmen Fluss. Der Boden ist naturbelassen, also etwas schlammig, aber das Gefühl ist genial. Eiskalte Luft um die Nase und kochend warme Füße. Ein Tipp: Bringt unbedingt ein eigenes Handtuch mit zum Abtrocknen, da gibt es nämlich nix.

Warum ich den Bärenpark gemieden habe

Vielleicht habt ihr schon vom Bärenpark in Noboribetsu gehört, der oben auf dem Berg liegt. Ich weis, dass viele Touristen da hinfahren, aber ich habe mich bewusst dagegen entschieden und möchte auch erklären warum. Ich finde die Haltung dort tierschutzrechtlich echt bedenklich. Die Bären leben dort oft in betonierten Gruben (“Pits”) und betteln Touristen um Futter an. Das hat für mich nichts mit Naturerlebnis zu tun und ich wollte das mit meinem Eintrittsgeld nicht unterstützen. Stattdessen habe ich lieber die freie Natur im Tal genossen. Das fühlt sich einfach richtiger an.

Die Magie des Abends

Ein kleiner Insider-Tipp noch zum Schluss: Noboribetsu ist tagsüber extrem voll. Aber abends, wenn die ganzen Busse mit den Tagesausflüglern weg sind (vor allem die großen Gruppen chinesischer Touristen sind dann meistens weitergezogen), kehrt eine wunderbare Ruhe ein.

Dann bin ich oft nochmal losgezogen. Der Holzweg ins Höllental (Jigokudani) ist nachts beleuchtet – sie nennen es “Onibi no Michi” (Pfad des Dämonenfeuers). Der Dampf zischt, die Lichter spiegeln sich im Eis und man hat diesen surrealen Ort fast für sich allein. Das ist der Moment, wo man die Kraft der Vulkane wirklich spürt.

Falls ihr also mal da seid: Checkt ins Adex Inn ein, ignoriert die Bärenshow und genießt das heiße Wasser (und die kleinen Eimer!) im Takimotokan. Es lohnt sich!

(Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag ist nicht gesponsert. Ich habe meine Reise, das Hotel und alle Eintritte selbst bezahlt. Maximal der Vulkan selbst hat mich bestochen diesen Beitrag zu schreiben – mit Entspannung und warmem Wasser!)

DO3EET

Ich bin Frank. Ein Informatiker und Funkamateur aus Deutschland. Außerdem reise ich gern nach Japan.


By Frank Tornack, 2025-12-24