Weihnachten im hohen Norden: Otaru, Sapporo und der Blick in den Abgrund
Weihnachten in Japan ist bekanntlich ein kulturelles Kuriosum, eher ein Fest für verliebte Paare, die durch Lichtertunnel flanieren, und für Familien, die sich um Eimer voller frittiertem Hühnchen scharen, als für besinnliche Stille oder religiöse Einkehr. Doch wer diesem kommerziellen Trubel entfliehen will – oder ihn zumindest gegen eine authentische Kulisse aus meterhohem Schnee und greifbarer Geschichte tauschen möchte – den zieht es unweigerlich nach Norden, nach Hokkaido.
Vom 24. bis zum 26. Dezember 2025 verbrachte ich meine Feiertage in der nostalgischen Hafenstadt Otaru, bevor mich der Zug weiter in die pulsierende Metropole Sapporo trug. Es war keine bloße Sightseeing-Tour, sondern eine Reise der extremen Kontraste: zwischen spiritueller Ruhe in verschneiten (feuchten) Schreinen und dem fast schon körperlichen Kampf im touristischen Chaos um eine Dampfuhr; zwischen Aussichten, die man sich in eisiger Kälte hart erarbeiten musste, und Momenten stiller Ehrfurcht vor der Pioniergeschichte der Insel.
