Kollision von politischer Programmatik und physikalischer Realität
In der zeitgenössischen Debatte zur Energiewende in Deutschland ist eine zunehmende Divergenz zwischen politischer Willensbildung und technisch-physikalischer Machbarkeit zu beobachten. Der jüngste Vorschlag der Partei Bündnis 90/Die Grünen, der unter dem Begriff „Solarbonus“ oder „Gratis-Strom“ firmiert, stellt hierbei einen bemerkenswerten Fall dar, der einer rigorosen Analyse aus der Perspektive der Informatik und der Naturwissenschaften bedarf. Der Vorschlag, entwickelt unter anderem durch den ehemaligen Direktor der Agora Energiewende, Simon Müller, sieht vor, privaten Haushalten ein Kontingent von bis zu 600 Stunden pro Jahr an „kostenlosem“ Strom zur Verfügung zu stellen, primär in Zeiten hoher photovoltaischer Einspeisung im Sommer. Das erklärte Ziel ist die Incentivierung von Lastverschiebungen in Zeiten des Überflusses, um Abregelungen von Erneuerbaren Energien zu vermeiden und fossile Kraftwerke in den Randzeiten zu verdrängen.1